Tierarztkosten im Vergleich

TierarztkostenVielleicht habt Ihr ja schon gehört, dass Tierarztbesuche in Deutschland ab 2020 deutlich teurer werden können, da im Jänner eine neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) in Kraft tritt. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, um einmal auf eine online häufig gestellte Frage einzugehen, die ich persönlich für ziemlich sinnlos halte, nämlich: „Tierarztkosten – Was habt Ihr bezahlt?“

Was bringt es zu wissen, was andere bezahlt haben?

Klar, es ist schon verständlich, dass man z. B. wissen möchte, welche Kosten ungefähr auf einen zukommen werden. Auch durchaus nachvollziehbar ist, dass man den Eindruck haben kann, eine Rechnung sei aber ordentlich „geschmalzen“ und man dann mal wissen will, ob die eigene Tierärztin/der eigene Tierarzt „überteuert“ ist. Allerdings bringt es in beiden Fällen relativ wenig, dazu online zu fragen, was irgendwer, irgendwann, irgendwo bezahlt hat. In Deutschland kommt es nämlich darauf an, nach welchem GOT-Satz in der jeweiligen Tierarztpraxis abgerechnet wird.  Bei uns in Österreich hingegen gibt es seit einigen Jahren ohnehin nur noch Honorarempfehlungen und keine verbindlichen Sätze mehr. Und auch in der Schweiz gibt es keine verbindlichen Tarife.

Tierarztkosten in Deutschland

Deutsche TierhalterInnen sind uns ÖsterreicherInnen und den SchweizerInnen gegenüber klar im Vorteil. In Deutschland sind die Unter- und Obergrenzen der Preise für alle tierärztlichen Leistungen nämlich eindeutig in der Gebührenordnung für Tierärzte geregelt. Bislang konnten TierärztInnen den 1 bis 3fachen GOT-Satz verrechnen, nach der neuen Regelung ab 2020 auch den 4fachen GOT-Satz. Diese neue GOT betrifft allerdings nur Behandlungen in der Notdienstzeit, letztere ist jedoch jetzt auch neu definiert worden. (Nähere Details im verlinkten Beitrag.)

Wer also wissen will, mit welchen Kosten für einzelne Behandlungen zu rechnen ist, sollte einfach in der jeweiligen Tierarztpraxis nachfragen, nach welchem GOT-Satz dort verrechnet wird. Dann kann man jeweils vorab in der Gebührenordnung nachschlagen, welcher Betrag nach diesem GOT-Satz für eine Behandlung oder eine Untersuchung vorgesehen ist.

Auch wer wissen will, ob die eigene Tierarztpraxis „günstig“ oder „teuer“ ist, sollte einfach einmal nachfragen, nach welchem GOT-Satz dort verrechnet wird. (Je niedriger der GOT-Satz, umso günstiger.)

Tierarztkosten in Österreich und der Schweiz

Bei uns in Österreich gibt es seit 2015 keine verbindlichen Honorarsätze mehr, sondern nur noch Honorarempfehlungen. An diesen können sich TierärztInnen orientieren oder eben auch nicht. Ebenso gibt es in der Schweiz keine verbindlichen Tarife.

Zu erfahren, was in irgendeiner Tierarztpraxis in Deutschland verrechnet wurde, bringt uns ÖsterreicherInnen und den SchweizerInnen also überhaupt nichts. Und auch was irgendein/e andere/r TierärztIn in Österreich oder der Schweiz verrechnet hat, beantwortet nicht die Frage, was man selbst vermutlich bezahlen wird. Denn die/der eigene TierärztIn kann ja nach eigenem Ermessen auch ganz anders kalkulieren.

Wer hier wissen will, was eine Behandlung voraussichtlich kosten wird, kann nur vorab bei der jeweiligen Tierarztpraxis nachfragen. Und ob die eigene Tierarztpraxis „günstig“ oder „teuer“ ist, lässt sich wohl nur anhand eines Vergleichs zwischen den Praxen in der näheren Umgebung feststellen – also anhand der unmittelbaren Konkurrenz.

Noch ein paar abschließende Gedanken

Klar ist schon nachvollziehbar, dass ein gewisser Preisvergleich nicht schaden kann. Allerdings wird es niemandem von uns etwas bringen zu wissen, dass eine Behandlung irgendwo hunderte Kilometer entfernt günstiger wäre. Nicht jede/r hat ja überhaupt die Möglichkeit unter mehreren Tierarztpraxen zu wählen, einfach weil es in erreichbarer Nähe ohnehin nur eine Praxis gibt. Und schließlich ist für die Entscheidung für eine Tierarztpraxis doch wohl vor allem ausschlaggebend, dass die eigenen Tiere dort bestmöglich versorgt werden – und nicht ob die Behandlung dort am billigsten ist.

 

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