Warum die Kastrationspflicht alleine nicht genug ist!

Kastrationspflicht

Alle Jahre wieder sehen wir uns mit einer „Kittenschwemme“ konfrontiert. Die Tierheime und Pflegestellen sind überfüllt, in den sozialen Medien häufen sich Berichte über Kitten, die in furchtbarem Zustand gerettet/gefunden wurden… Und so sicher wie das Amen im Gebet folgen dann die Rufe nach einer allgemeinen Kastrationspflicht. Eine solche alleine ist allerdings nicht die Lösung des Problems, wie das Beispiel Österreich zeigt. Bei uns gibt es seit Jahren eine bundesweite Kastrationspflicht und dennoch quellen auch bei uns alle Jahre wieder die Tierheime und Pflegestellen vor „ungewollten“ Kitten über.

Und so ruft auch in Österreich der Tierschutz regelmäßig um Hilfe, wie schon das Titelbild dieses Beitrages verdeutlicht oder z. B. auch hier zu sehen ist:

Kastrationspflicht

Quelle: Arche Noah Graz (Und der Link darf natürlich sehr gerne genutzt werden, um hier auch Kastrationspate/Kastrationspatin zu werden (; !)

Kastrationspflicht in Österreich

In Österreich gilt eine bundesweite Kastrationspflicht für „Katzen, die regelmäßig Zugang ins Freie haben“ (inklusive Bauernhofkatzen!). Einzig „ausgenommen von der Kastrationspflicht sind Tiere, die zur kontrollierten Zucht verwendet werden.“

Dennoch sieht sich auch hier der Tierschutz immer noch regelmäßig mit unzähligen ungewollten Kitten konfrontiert. Diese stammen bei Weitem nicht nur von heimatlosen Streunern. Auch die vielen unkastrierten Freigänger, die trotz Kastrationspflicht noch immer herumlaufen, geben hier munter ihre Gene weiter (mal ganz abgesehen von den Leuten, die ganz gezielt aus Profitsucht Kitten „produzieren“).

Um diverse Schlupflöcher in der aktuellen Regelung zu schließen, läuft derzeit eine „Petition betreffend “Aufhebung der Zucht mit Freigängerkatzen‘ bzw. ‚Kastrationspflicht verschärfen“, überreicht von der Abgeordneten Mag. Faika El-Nagashi“. U. a. soll es deutlich schwieriger werden, eine Zucht anzumelden, was derzeit die einfachste Möglichkeit ist, völlig legal für unkontrollierte Vermehrung zu sorgen.

Viele machen sich aber noch nicht einmal die Mühe, eine vermeintliche Zucht anzumelden, um ihre Freigänger/Bauernhofkatzen legal unkastriert herumlaufen zu lassen und trotzdem passiert ihnen nichts. Und warum passiert nichts? Ganz einfach, weil niemand diese Verstöße gegen die Kastrationspflicht meldet.

Warum eine Kastrationspflicht alleine nicht die Lösung ist

Eine möglichst (eng definierte) Kastrationspflicht ist selbstverständlich die Basis, die es überhaupt ermöglicht, durchzusetzen, dass Katzen/Kater kastriert werden. Gibt es keine entsprechenden rechtlichen Grundlagen, sind jedem/r Einzelnen bzw. dem Tierschutz von vornherein die Hände gebunden. Und je strenger die Vorgaben sind, desto mehr wird dem Tierschutz die Arbeit erleichtert. Wenn es z. B. nicht mehr so leicht ist, einfach eine vermeintliche Zucht anzumelden und dann munter weiter für unkontrollierte Vermehrung zu sorgen, würde der Tierschutz nicht in so vielen Fällen erst gar nicht eingreifen können. Aber:

Die beste rechtliche Grundlage bringt gar nichts, solange….

…viele Menschen gar nichts davon wissen

Unwissen schützt vor Strafe nicht. Aber solange viele Menschen gar nicht wissen, wie die rechtliche Lage aussieht, nutzen die besten Bestimmungen nichts.

Ich stelle regelmäßig fest, dass sowohl KatzenhalterInnen als auch die vom Leben Benachteiligten (= NichtkatzenhalterInnen (;) keine Ahnung haben, dass hier bei uns in Österreich seit Jahren eine bundesweite Kastrationspflicht (auch für Bauernhofkatzen) gilt. Und allein dieses Unwissen hält einige schon davon ab, unkastrierte Freigänger/Bauernhofkatzen zu melden, weil sie einfach davon ausgehen, dass „man da eh nichts machen kann“.

Es wäre also zumindest schon einmal ein Anfang, wenn wir alle diesbezüglich (auch ungefragte) Aufklärungsarbeit leisten würden.

…Verstöße gegen die Kastrationspflicht nicht gemeldet werden

Leider sind diejenigen, die am wahrscheinlichsten mitbekommen, dass unkastrierte Tiere gedankenlos auf Freigang geschickt werden, auch diejenigen, die am ehesten dazu neigen, wegzuschauen. Denn wer weiß von solchen Fällen denn am ehesten? Familienmitglieder, Freunde, Verwandte, Bekannte und die Nachbarschaft. Und wer will schon gerne Streit in der Familie, im Freundeskreis oder in der Nachbarschaft vom Zaun brechen? Dennoch bleibt als einziger Weg, die alljährliche „Kittenflut“ einzudämmen, dass möglichst viele Menschen aktiv werden und eben nicht wegschauen.

Aufklärungsarbeit leisten

Ja, mir ist schon klar, bei Menschen, die es gezielt darauf anlegen, Kitten zu „produzieren“, um mit ihnen Geld zu machen oder bei solchen, die es immer noch für normal halten, dass „überzählige“ Kitten dann eben in einem Sack im Wasser landen oder mit dem Kopf gegen den nächstbesten Balken geschlagen werden, wird man mit Worten nicht viel weiter kommen. Aber es gibt ja leider auch genügend Menschen, die sich tatsächlich „nichts böses“ dabei denken, sondern halt „nur“ einmal Kitten haben möchten oder der Katze „nur“ einmal ermöglichen möchten, Mutter zu werden. Oder die Kater haben und sich nicht „unmittelbar betroffen“ fühlen und gar nicht darüber nachdenken, für wie viel Nachwuchs ihr einer Kater sorgen kann. Vielleicht wissen sie auch gar nicht, dass Kastrationspflicht besteht und es daher keine Frage der individuellen Entscheidung ist? Solche Leute kann man vielleicht dazu bringen, ihre Tiere kastrieren zu lassen, wenn man ihnen nicht nur die geltende Rechtslage erklärt, sondern auch:

  • wie viele Krankheiten durch den Deckakt übertragen werden können (nur z. B. Katzenaids/FIV oder Leukose/Leukämie/FeLV)
  • dass durch die Kastration das Risiko für Mammatumore stark gesenkt wird und es kein Risiko für Eierstocks- oder Gebärmutter-Erkrankungen mehr gibt
  • welche Probleme während der Trächtigkeit und Geburt auftreten können
  • wie viel Arbeit es macht, wenn man Kitten per Hand aufziehen muss, falls die Mutterkatze die Geburt nicht überlebt oder sich nicht (richtig) um die Kitten kümmert/kümmern kann
  • wie teuer es kommt, wenn man Kitten mindestens bis zur 12. Woche bei ihrer Mama und sie auch entsprechend tierärztlich versorgen lässt
  • wie schwer es sein kann, (ordentliche) Endplätze für alle Kitten zu finden bzw. wie viele Kitten ohnehin schon ein Zuhause suchen, ganz ohne, dass man selbst auch noch für „Nachschub“ sorgt
  • dass der Deckakt für Katzen bei Weitem kein „Spaß“ ist und dass menschliche Gefühle und Bedürfnisse wie ein Kinderwunsch nicht auf Katzen übertragen werden können
  • sowie dass die Rolligkeit weder für Mensch noch Tier lustig ist und im Zweifelsfall auch zur Dauerrolligkeit werden kann
Und spezifisch bei Katern, dass:
  • die Gefahr von Verletzungen bei Revierkämpfen deutlich gesenkt wird
  • kastrierte Kater in der Regel nicht mehr (auf der Suche nach potenziellen Partnerinnen) so weit und lange herumstreunen
  • Kater die (rechtzeitig) kastriert werden, in der Regel nicht markieren
  • der eine eigene Kater theoretisch unzählige Katzen decken (und für eine entsprechend hohe Anzahl von Nachkommenschaft sorgen) kann und man sich selbst damit an schrecklichem Tierleid mitschuldig macht, denn er wird aller Wahrscheinlichkeit auch Katzen decken, die kein Zuhause haben und deren Kitten dann (wenn sie noch Glück haben) oftmals im erbärmlichsten Zustand im Tierheim landen
Alternativen aufzeigen

Wenn jemand „nur“ möchte, dass die eigene Katze einmal Kitten bekommt, weil der Mensch selbst gerne einmal Kitten hätte, gibt es sehr viel sinnvollere Möglichkeiten, nämlich Pflegestelle zu werden. Sowohl für trächtige Katzen sowie für Katzen mit Kitten als auch für Kitten, die ohne Mama gefunden/ausgesetzt wurden, werden immer händeringend Pflegestellen gesucht.

Verstöße melden

Wenn entsprechende Gespräche nichts bringen, dann hilft es nichts, dann muss man (nochmal) über seinen Schatten springen und sich z. B. an den/die Haustierarzt/-ärztin oder an das örtliche Tierheim wenden und sich erkundigen, wo man einen solchen Verstoß gegen die Kastrationspflicht melden/anzeigen kann.* Und nein, das ist weder „Blockwart-Mentalität“ noch „Anschwärzerei“. Das ist gelebter Tierschutz.

*Die hierzu geltenden Regelungen sind meines Wissens durchaus vielfältig, darum kann ich nur prinzipiell empfehlen, sich an geeigneter Stelle zu erkundigen, wie es vor Ort zu handhaben ist. Hier bei uns z. B. kann man solche Fälle ganz einfach – auch anonym – dem Tierheim melden. Die haben dort ein Formular aufliegen, das muss man nur ausfüllen und dann wird es an eine/n zuständige/n Mitarbeiter/in weitergeleitet, der/die der Sache nachgeht.

…weiterhin Kitten aus Mitleid gekauft/übernommen werden

Nicht nur während der Corona-Zeit, auch sonst werden Kitten aus „Vermehrer-Haushalten“ gerne im Netz verkauft. Und immer und immer wieder kommt dann auch das Argument, man wollte doch „wenigstens“ das eine oder die zwei Kitten „retten“. Dieses Mitleid ist aber ein schlechter Ratgeber. Denn solange solche Leute Abnehmer für ihre Kitten finden, werden sie auch weiter „produzieren“. Außerdem: Ja, ein oder zwei Kitten wurden also „gerettet“. Aber was ist mit den unzähligen Kitten, die in den kommenden Monaten und Jahren folgen und die dann auch „gerettet“ werden müss(t)en? Und wer rettet die Mutterkatzen, die ständig neue Würfe produzieren müssen?

Ebenso viel zu kurz gedacht ist es, ein oder zwei Bauernhofkitten vor dem drohenden Tod zu „retten“. Versteht mich nicht falsch, natürlich zählt jedes Katzenleben. Aber wer nur ein oder zwei Kitten mitnimmt und nichts weiter tut, der nimmt auch billigend in Kauf, dass andere Kitten, die keine Abnehmer finden, dann eben ersäuft, erschlagen etc. werden. Man kann nur versuchen, den Bauern dazu zu bringen, seine Katzen kastrieren zu lassen, und wenn das keinen Erfolg hat, den Tierschutz einschalten.

Fazit

Eine bundesweite Kastrationspflicht ist nicht Lösung des Problems, sondern nur die Basis, auf der wir alle dafür sorgen können, dass die alljährliche Kittenschwemme eingedämmt und unendlich viel Tierleid verhindert werden kann. Denn ohne Menschen, die auch dafür sorgen, dass die Kastrationspflicht tatsächlich eingehalten wird, ist jede noch so engmaschige Regelung nur ein Fetzen Papier.

Versteht mich nicht falsch, ich finde es ganz großartig, dass bei uns in Österreich jetzt versucht wird, die Kastrationspflicht zu verschärfen und Schlupflöcher zu schließen. Ich habe die Petition natürlich selbst auch unterstützt und drücke alle verfügbaren Daumen und Zehen, dass sie Erfolg haben wird. Solange dann aber das Umfeld weiterhin nur wegschaut und nichts tut, werden allerdings auch strengere Regelungen nicht helfen.

 

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