Urinuntersuchung – Was gilt es zu beachten?

Utensilien für Urinuntersuchung

Eine Urinuntersuchung ist immer wieder einmal notwendig. Zum Beispiel wenn Grund zur Vermutung besteht, dass die Katze eine Blasenentzündung hat oder unter Harnkristallen leidet … oder um den Protein-Kreatinin-Quotienten bei Verdacht auf Nierenprobleme zu bestimmen. Damit dabei nichts schief gehen kann, gilt es einige Dinge zu beachten, die hier in Folge erläutert werden.

Wie kommst Du an eine Probe für die Urinuntersuchung?

Es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. Du bringst eine Urinprobe in die Tierarztpraxis.
  2. Die Tierärztin/der Tierarzt entnimmt eine sterile Probe per Blasenpunktion im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung.

 

Methode 1: Urinprobe selbst „einsammeln“

Was gilt es zu beachten?

Die Urinprobe darf nicht verunreinigt, also nicht z. B. mit normalem Streu in Kontakt gekommen sein.

Um das zu vermeiden kannst Du:

  • die Katze auf einen Löffel pinkeln lassen,
  • die Katze ins leere Kisterl pinkeln lassen,
  • Spezialstreu benutzen.

Für die ersten beiden Punkte gilt: Wenn die Katze es denn mitmacht… Slimmy zum Beispiel hat eine Zeit lang brav ins leere Kisterl gepinkelt, zwar mit wenig Begeisterung und nur, wenn sie den Urin gar nicht mehr zurückhalten konnte, aber immerhin. Irgendwann hatte sie dann die Schnauze davon so voll, dass sie statt ins leere Kisterl in mein Bett (das einzige Mal in elf Jahren übrigens!) gemacht hat. Damit war dieses Thema bei uns ein für alle Mal abgehakt.

Auf einen Löffel pinkelt sie zwar bis heute noch (wenn es denn unbedingt sein muss), allerdings muss man bei dieser Methode schnell sein um den richtigen Zeitpunkt zum „Drunterhalten“ exakt zu erwischen. Außerdem ist es ziemlich schwierig, auf diese Weise genug Urin für die Untersuchung aufzufangen.

Mein Tipp: Spezialstreu

Meiner Erfahrung nach ist die Verwendung von Spezialstreu die einfachste und sicherste Methode. Die Katze pinkelt ins Kisterl und der Urin bildet einfach oben auf der Streu eine Lacke. Dann kannst Du den Urin direkt mit einer Spritze aufziehen. Entsprechende Streu bekommst Du in der Tierarztpraxis oder online. Übrigens gibt es verschiedene Varianten (von gröberem Granulat bis hin zu feinem Sand). Da sollte hoffentlich für jeden Katzengeschmack etwas dabei sein.

Wir verwenden einen ganz feinen Hydrosand. Den findet Slimmy ganz akzeptabel. Da der Spaß aber nicht ganz günstig ist – und Slimmy mehrere (!) Sackerl davon im Kisterl braucht – ist es besonders vorteilhaft, dass man diese Art von Streu waschen und mehrfach verwenden kann. Ich benutze dazu einfach einen alten Polsterüberzug.

Apropos, die einfachste Art den aufgefangenen Urin auch sicher und sauber in die Tierarztpraxis zu bringen, ist ihn in einer Einwegspritze zu transportieren. Ich verwende dafür gerne eine 10 ml Spritze, die dann noch sorgfältig zuerst wieder in die Verpackung und dann noch in ein Plastiksackerl gesteckt wird. Nur falls doch mal was raustropfen sollte… (Immerhin trage ich die Urinprobe dann in der Handtasche spazieren.)

Wie viel Urin ist nötig?

Für eine ordentliche Untersuchung sind mindestens 2 ml Urin notwendig.

Falls Urin auch noch in ein externes Labor für z. B. die Bestimmung des Protein-Kreatinin-Quotienten geschickt werden muss, kann es auch mehr sein. Also frag lieber vorher nach, wie viel Urin für die jeweilige Untersuchung mindestens benötigt wird!

Wie alt darf der Urin sein?

Der Urin darf maximal 2 Stunden alt sein.

Bringst Du eine ältere Probe für die Urinuntersuchung in die Praxis, sind die Ergebnisse nicht mehr zuverlässig! Zum Beispiel können sich sonst, wie auch generell bei unsachgemäßer Lagerung, Bakterien vermehren.

Vor- und Nachteile

Diese erste Methode hat den Vorteil, dass es für die Katze natürlich weniger stressig ist, zuhause ins Kisterl zu pinkeln.

Wenn die Katze allerdings nicht „pünktlich“ zu den Öffnungszeiten der Tierarztpraxis pinkelt oder keinerlei ZuschauerInnen auf dem Kisterl duldet, wird es schwierig. Oder wenn Du zu den Leuten gehörst, die mindestens 8 Stunden täglich nicht zuhause sind und nicht den halben Tag darauf warten können, wann die Katze das nächste Mal pinkelt…. Ein hausgemachtes Problem hast Du übrigens auch, wenn bei Euch zuhause Haubenkisterl stehen. Außerdem werden Kristalle nicht bei jedem Mal pinkeln unbedingt mit ausgeschieden. Es kann also sein, dass eine Probe negativ ausfällt, obwohl Kristalle in der Blase vorhanden sind.

Methode 2: Urinentnahme per Blasenpunktion

Diese Methode hört sich weitaus schlimmer an, als sie tatsächlich ist. Beim ersten Mal dachte ich auch, oh mein Gott, die arme Slimmy! Allerdings ist es nur ein kurzer Piks. Wenn die Tierärztin/der Tierarzt weiß, was sie/er tut, ist es reine Routine und schnell vorüber.

Wie funktioniert’s genau?

Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung wird mit einer Spritze direkt in die Blase gestochen und Urin „rausgesaugt“. Wichtig dabei ist allerdings, dass die Blase gut genug gefüllt ist. Ist dies nicht der Fall, musst Du aber nicht unbedingt unverrichteter Dinge nachhause gehen. Lass einfach eine Infusion legen und warte im Wartezimmer etwas ab, bis sich genug Urin angesammelt hat. Ich habe das schon mehrfach so machen lassen. Zumindest für Slimmy wäre es nämlich wesentlich stressiger am nächsten Tag gleich wieder in die Praxis geschleppt zu werden.

Vor- und Nachteile

Diese Methode hat den Nachteil, dass sie im Vergleich zur ersten Methode für die Katze stressiger ist. Hast Du das Pech eine Katze zu haben, die in der Tierarztpraxis zum Raubtier mutiert, wird schon eine normale Ultraschalluntersuchung (auch ohne Punktion) ein Problem darstellen.

Die Vorteile sind, dass der Urin zum einen garantiert frisch und steril ist. Zum anderen kann durch die Ultraschalluntersuchung die Blase „rundum“ gecheckt werden und selbst feiner Harngries ist im Ultraschall üblicherweise sichtbar.

Was soll eine Urinuntersuchung alles umfassen?

Eine ordentliche, umfassende, professionelle Urinuntersuchung besteht nicht daraus, einfach einen Stick in den Urin zu halten! Das kannst Du zuhause auch selbst machen. Wenn Deine Katze zum Beispiel Harnkristalle hat, musst Du ohnehin regelmäßig den pH-Wert des Urins untersuchen. Dazu sind günstige, kleine pH-Indikatorstreifen sehr praktisch. Für die etwas umfangreicherer Kontrolle zwischendurch (auch z. B. Protein, Leukozyten, Erythrozyten etc.) haben wir außerdem immer die Combur Teststreifen und die easystrips MT10 auf Lager.

Eine professionelle Urinuntersuchung hingegen umfasst immer auch eine mikroskopische Sedimentuntersuchung.

Dazu wird der Urin zentrifugiert und danach das Sediment (= die festen Bestandteile des Urins) unter dem Mikroskop untersucht. Dabei kann und muss der Urin zum Beispiel auch auf Bakterien und Harnkristalle hin untersucht werden.

Wenn Bakterien gefunden werden denke bitte daran, dass ein Antibiotikum nicht immer das erste Mittel der Wahl sein sollte. Wenn Du (überhaupt) ein Antibiotikum geben willst, dann bitte nicht ohne Antibiogramm! (Falls die Tierärztin/der Tierarzt das nicht von sich aus gleich erwähnt, sprich sie/ihn auf alle Fälle darauf an.)

Werden Harnkristalle gefunden, muss unbedingt abgeklärt werden, um welche Art von Kristallen es sich handelt. Denn davon hängt die Behandlung ab! Falls Du also nicht ohnehin sofort genauere Informationen bekommst, frag bitte unbedingt nach, um welche Kristalle es sich handelt.

Des Weiteren können hier auch Parasiten gefunden werden. Denn auch wenn man in diesem Zusammenhang eher an Kotuntersuchungen denkt, ist ein Parasitenbefall der Blase ebenfalls möglich. Zum Beispiel hatte Slimmy einmal eine Blasenentzündung, die von Haarwürmern in der Blase ausgelöst wurde!

 

Literaturtipps:

Sophia A. Yin / Ingo Nolte, Praxisleitfaden Hund und Katze, Hannover 2014, S. 416-420.

Christian F. Schrey, Leitsymptome und Leitbefunde bei Hund und Katze. Differenzialdiagnostischer Leitfaden, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart 2014, S. 416-420.

 

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11 Antworten auf „Urinuntersuchung – Was gilt es zu beachten?“

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  3. Unser Sternchen Felix musste früher viel Urin untersuchen lassen.
    Das war lt. Frauli immer ein Akt gewesen. Dies Silikatstreu oder wie das heißt fand er total doof. Der hat es sogar mal geschafft 35 Stunden kein Urin abzusetzen o.O. , da muss Mensch halt dann tricksen und testen was und wie man da am besten vorgeht.

    Umschnurrer Shadow

    1. Oh Mann, 35 Stunden!!!
      Jetzt hast Du es allerdings spannend gemacht und uns nicht verraten, wie das Frauli dann getrickst hat, damit es mit den Urinproben doch noch geklappt hat. Lass uns doch teilhaben, bitte, wäre für viele sicher gut zu wissen!

  4. Hallo Sabine,
    meine Katze hatte während einer Urinuntersuchung ein hohes Urobilinogen. Bitte hast du Erfahrung, was bedeutet das? Die anderen Werte waren in Ordnung.

    Danke Barbara

    1. Hallo Barbara,

      zunächst einmal muss ich nachfragen: Hast Du selbst zuhause einen Stick benutzt oder wurde die Untersuchung per Stick beim TA vorgenommen oder handelt es sich um den Befund eines Labors? Ich kontrolliere auch zwischendurch selbst per Stick (nicht nur den pH-Wert) und dabei hatten wir mal welche, bei denen es auch ein Feld für Urobilinogen gab, das sich immer total verfärbt hat – ohne dass tatsächlich ein Problem vorgelegen wäre (es war also falsch positiv). Falls Du die Untersuchung beim TA vornehmen hast lassen: Wurde zu dem Ergebnis irgendwas dazugesagt? Generell kann ich sonst nur sagen, dass vermehrt Urobilinogen im Urin darauf hinweisen kann, dass vermehrt rote Blutkörperchen abgebaut werden oder dass etwas mit der Leber nicht ok ist. Da müsste man sonst im Zweifelsfall per Blutuntersuchung weiterschauen, zuerst würde ich aber abklären, ob der Harnbefund tatsächlich zuverlässig/aussagekräftig ist.

      Ich hoffe damit konnte ich Dir etwas weiterhelfen,
      liebe Grüße
      Sabine

      1. Hallo Sabine,
        Vielen Dank für Deine Antwort und Hilfe.
        Die Urinuntersuchung haben wir selbst zu Hause gemacht. Diese Katze geht immer noch raus, also war es eher ein Zufall, dass sie zu Hause auf den Boden pinkelt (sie hat Stress von der anderen Katze). Allerdings kam es mir seltsam vor, da eine andere Katze, die ich regelmäßig zu Hause kontrolliere, nie ein erhöhtes Urobilinogen hatte.
        Liebe Grüße
        Barbara

        1. Also in dem Fall würde ich wirklich zunächst zur Sicherheit nochmal eine Urinuntersuchung beim TA machen lassen und dann gegebenenfalls eben auch eine Blutuntersuchung. Ich drück‘ Euch ganz fest die Daumen, dass nichts schlimmes dabei rauskommt!

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