Unsauberkeit bei Katzen

Unsauberkeit bei Katzen

Unsauberkeit bei Katzen ist ein leidiges und vor allem für alle Beteiligten leidvolles Thema. Darum möchte ich mich in diesem Beitrag einmal ausführlich mit möglichen Ursachen und Lösungsansätzen beschäftigen.

Mögliche Ursachen für Unsauberkeit bei Katzen

Zwei Möglichkeiten vorab

Die Katze kennt kein Katzenklo

Bevor wir uns mit den Ursachen für plötzliche Unsauberkeit bei Katzen, die zuvor immer brav das Kisterl benutzt haben, auseinandersetzen, sei nur der Vollständigkeit halber angemerkt, dass man natürlich von Kitten oder etwa von Straßenkatzen, die noch nie im Leben ein Katzenklo gesehen haben, nicht erwarten kann, dass sie einfach von sich aus die Funktion eines Kisterls erkennen und es auch entsprechend nutzen. Wie man Katzen generell (erstmalig) an das Katzenklo gewöhnt, ist beispielweise in dem hier verlinkten Beitrag gut erklärt.

…oder ist es doch Markieren?

Ebenso ist grundsätzlich auch noch auszuschließen, ob die Katze „nur“ markiert. Anders als beim Urinieren wird hier üblicherweise keine „Pfütze“ gepinkelt (und dann nach Möglichkeit vergraben), sondern eine Stelle auf Katzennasenhöhe wird zunächst ausgiebig beschnüffelt. Dann sieht man oft einen aufgerichteten, zuckenden Schwanz und als nächstes wird die Stelle mit Urin „besprüht“. Das Gesamtergebnis wird dann meist nochmals beschnuppert. Da Markierungen anderen Katzen anzeigen sollen, dass dieses Revier schon vergeben ist, finden sich solche Markierungen eher auf Nasenhöhe und nicht unbedingt direkt auf dem Boden. (Wobei sich der Urin dann natürlich schon als „Lackerl“ auf dem Boden sammeln kann.)

Medizinische Ursachen

Wenn eine Katze, die vorher immer brav ins Kisterl gemacht hat, plötzlich an anderen Stellen Urin oder Kot absetzt, muss als allererstes IMMER geklärt werden, ob ein medizinisches Problem vorliegt.

Leider gibt es (immer noch) viele Menschen, die dann lieber in Facebook-Gruppen oder in Foren nach „Erziehungsmethoden“ und Ähnlichem fragen und den Gang in die Tierarztpraxis aufschieben, bis alles andere nicht funktioniert hat. Das ist absolut die falsche Herangehensweise! Daher an alle, die mit dem Gedanken spielen, den Tierarztbesuch aufzuschieben: Versuch Dir einfach einmal vorzustellen, dass Du krank bist und Schmerzen hast, das aber niemandem sagen kannst. Und die Menschen, die Dir eigentlich helfen sollen, bringen Dich nicht zum Arzt, um die Ursache für die Schmerzen zu beseitigen, sondern stellen die Wohnung auf den Kopf, probieren zig Klopapiersorten durch, versuchen Duftsprays etc. Und die ganze Zeit lang hast Du Schmerzen und kannst Dir nicht selbst helfen.

Schmerzen beim Kisterlgang sind aber eben häufig der Auslöser für Unsauberkeit. Anders als wir Menschen denkt die Katze dann nämlich nicht: „Oh, da hat was weh getan, das muss ich mal ärztlich abklären lassen.“ Stattdessen verbinden Katzen den Schmerz mit dem Ort, an dem es weh getan hat und meiden diesen dann. Und dann wird das Geschäft eben an einem anderen Ort verrichtet, wo es nicht so „blöd“ war.

Und was genau gehört tierärztlich abgeklärt?

Schmerzen beim Kisterlgang können durch unterschiedliche Probleme ausgelöst werden:

  • Blasenentzündungen,
  • Harnkristalle,
  • zu harter Kot
  • oder Durchfall können beim Urin- oder Kotabsatz unmittelbar für teils sehr heftige Schmerzen bzw. für massives Unwohlsein sorgen.

Aber auch z. B.

  • Arthrose
  • Rückenschmerzen etc. können den Kisterlgang sehr unangenehm machen.

Daher gehören alle diese Möglichkeiten ordentlich abgeklärt. Vor allem der Urin gehört hier gründlich untersucht und nicht nur etwa per Stick (was da alles dazugehört, findet ihr im verlinkten Beitrag erklärt). Denn anders als beim Kot erkennt man hier nicht oft schon einfach an der Konsistenz, dass etwas nicht stimmt. Wichtig ist hier auch, sich nicht einfach auf unspezifische Aussagen à la „es ist alles in Ordnung“ zu verlassen, sondern im Zweifelsfall nachzufragen, was genau alles untersucht wurde und sich die Befunde geben zu lassen.

Fehler beim Klomanagement

Ein weiterer häufiger Grund für Unsauberkeit bei Katzen liegt im fehlerhaften Klomanagement. Diese „Fehler“ können mannigfaltig sein:

  • Unpassende Kisterl: Darunter fallen zu kleine Kisterl ebenso wie Haubenklos oder Hop-in-Kisterl, die viele Katzen nicht gerne mögen, weil sie dem natürlichen Verhalten von Katzen nicht entsprechen (genaueres dazu im verlinkten Beitrag).
  • Zu wenige Kisterl: Grundsätzlich gilt die Faustregel: Ein Klo mehr im Haus als Katzen. Dabei ist auch zu beachten, dass zwei Kisterl, die unmittelbar nebeneinander stehen, von Katzen meist als ein Kisterl wahrgenommen werden.
  • Zu seltenes Putzen: Auch wir Menschen gehen schließlich nicht gerne auf dreckige Klos.
  • Anderweitig unangenehme Gerüche: Nicht nur zu wenig Hygiene, auch „übertriebene“ Hygiene kann zum Problem werden. Wird z. B. mit scharfen Reinigungsmitteln geputzt, kann der Geruch für die Katze abschreckend wirken (und dabei kommt es auf den Geruchssinn der Katze an, nicht auf unseren eigenen!) Auch z. B. Klo-Deos können Katzen das Kisterl „vermiesen“.
  • Falsche Streu: Nicht jede Katze mag jede Art von Streu. Die Ursachen für die Ablehnung gewisser Streuarten können von der Beschaffenheit (z. B. zu grobes Streu kann schmerzhaft an den Pfoten sein) bis zum Geruch reichen (z. B. mögen viele Katzen keine Streu mit Duft). Auch zu wenig Streu zum Verbuddeln kann dazu führen, dass Katzen das Klo als nicht optimal empfinden.
  • Falscher Ort: Nicht jeder Ort wird von jeder Katze als optimaler Katzenklo-Standort empfunden. Die einen gehen gerne in Gesellschaft, die anderen wollen absolute Privatsphäre. Auch sollte jedem klar sein, dass zwischen Klo und Fressplatz entsprechender Abstand bestehen muss. Die meisten von uns werden ja auch nicht direkt am/neben dem Klo essen wollen. (;

Klomobbing

In Mehrkatzenhaushalten kann auch Klomobbing zu Unsauberkeit führen. Wird eine Katze immer wieder am Kisterl angegriffen, belauert oder sonst wie bedrängt, ist klar, dass sie sich früher oder später ein anderes Platzerl sucht.

Der plötzliche Schreck

Nicht auszuschließen ist auch, dass sich die Katze einmal, wenn sie gerade am Kisterl sitzt, plötzlich furchtbar erschreckt – nur z. B. durch ein lautes Geräusch. Im schlimmsten Fall kann die Katze dann eine so starke negative Verknüpfung zum „Ort des Schreckens“, der eigentlich überhaupt nichts damit zu tun hatte, herstellen, dass sie ihn künftig meidet.

Besonders „blöd“ bei dieser Ursache ist, dass wir Menschen meist gar nicht mitbekommen, wenn es passiert und da es ein einmaliges Ereignis war, dann einfach gar nicht wissen können, dass es überhaupt stattgefunden hat (und warum).

Maßnahmen gegen Unsauberkeit bei Katzen

Ein medizinisches Problem wurde gefunden…und nun?

Zunächst einmal muss das medizinische Problem natürlich adäquat behandelt werden. Solange die Katze weiterhin Schmerzen am Kisterl hat, wird sie es auch weiterhin meiden.

Ist die Schmerzursache behoben, gilt es der Katze das Kisterl wieder „schmackhaft“ zu machen:

  • Da häufig der Ort mit den Schmerzen verknüpft wird, kann es schon helfen, die Kisterl an andere Orte zu verschieben, die nicht „vorbelastet“ sind.
  • Helfen kann auch, neue, zusätzliche Kisterl aufzustellen, zu denen noch keine negative Verknüpfung besteht.
  • Liegt die Ursache in Problemen mit dem Bewegungsapparat, können Kisterl mit niedrigem Einstieg bzw. mit Einstiegshilfen helfen.
  • Möglicherweise hilft es auch, weitere Änderungen vorzunehmen, die Assoziationen zum alten „bösen“ Klo vermeiden, also z. B. neue Streu.
  • Außerdem sollte die Katze, wenn sie wieder brav ins Kisterl macht dafür auch ausgiebig gelobt werden. Da dürften dann gerne auch einmal ein paar Leckerlie zum Einsatz kommen.

Fehler beim Klomanagement beheben

Hat die Katze keine gesundheitlichen Probleme, kann am Klomanagement „geschraubt“ werden:

  • Andere Art von Kisterl anbieten: z. B. normale Klos statt Hauben- oder Hop-in-Kisterl wirken oft schon Wunder. Oder man versucht es mit größeren Kisterln (hier können auch größere Plastikboxen als Alternative herangezogen werden).
  • Verschiedene Arten von Streu durchprobieren: Hier gilt es die Vorlieben der Katze herauszufinden. Grundsätzlich mögen viele Katzen eher feine Streu, die sich angenehm unter den Pfötchen anfühlt, ohne Eigengeruch.
  • Streu höher einfüllen: Damit ordentlich darin gebuddelt (und verbuddelt) werden kann, sollte die Streu mindestens 10 bis 15 cm hoch eingefüllt werden.
  • Den nach Katzengeschmack geeigneten Platz finden: Prinzipiell gilt hier, dass der richtige Ort dort ist, wo die Katze gerne geht und nicht dort, wo wir die Kisterl gerne stehen hätten. Bei uns sind z. B. die Kisterl im Schlaf- und Wohnzimmer beliebter als das auf dem Klo. Leider haben viele Menschen ein Problem mit der Vorstellung von Kisterln in Wohnräumen. Klar, es gibt schöneres. Aber mal ehrlich: Mich würde Unsauberkeit weitaus mehr stören als Kisterl die zwar (für mich) nicht hundertprozentig ideal in der Wohnung stehen, dafür aber hundertprozentig verlässlich genutzt werden. (;
  • Das Putzverhalten überdenken: Wie bereits oben ausgeführt, kann sowohl zu wenig als auch übertriebene Hygiene zum Problem werden. Dass auch Katzen nicht gerne in ihre eigenen Extremente bzw. die ihrer Mitbewohner treten, wenn sie aufs Klo gehen, sollte jedem klar sein. Entsprechend häufig sind die Böller aus den Kisterln zu entfernen. Wer z. B. hingegen (scharfe) Reinigungsmittel verwendet, sollte einfach mal ausprobieren die Kisterl nur noch mit heißem Wasser auszuwaschen. (Wobei sich Gerüche gerade in Plastik auch gerne festsetzen. Da kann es schon sein, dass ein neues Kisterl nötig wird.)

Übrigens: Auch wenn eine Katze eine für sie nicht optimale Kisterlsituation jahrelang geduldet hat, kann es sein, dass es ihr irgendwann einfach auch einmal reicht. Das Argument „Aber das war doch immer ok für sie“ zieht also nicht immer.

Klomobbing und Markieren beenden

Klomobbing ist eine durchaus komplexe Angelegenheit, bei der es viele Faktoren zu berücksichtigen gilt: Wie ist das Verhältnis der Katzen untereinander generell? Haben sie genügend Kisterl und Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung? Stehen die Kisterl so ungünstig, dass Mobbing „erleichtert“ wird, weil die Katze, die gerade am Klo ist, keinerlei Fluchtwege hat? Hier gilt es also nicht nur am Ort des Geschehens selbst anzusetzen, sondern das Verhältnis unter den Katzen insgesamt unter die Lupe zu nehmen.

Wird markiert, ist die erste Frage natürlich: Ist die Katze/der Kater kastriert? Allerdings können auch kastrierte Stubentiger teilweise markieren. Bei Katern etwa kann zu spätes Kastrieren dazu führen, dass sie im weiteren Leben dennoch markieren. Außerdem sollte hier überprüft werden, ob die Kastration wirklich „umfassend“ gewesen ist, also nichts übersehen wurde. Falls etwas übersehen wurde, ist eine weitere OP notwendig.

Ansonsten gilt es abzuklären, warum die Katze das Bedürfnis hat ihr Revier zu markieren. Hier ein paar Beispiele:

  • Fühlt sie sich zuhause unsicher?
  • Schleichen fremde Katzen (oder andere Tiere) rund ums Haus?
  • Hat es Veränderungen im Haushalt gegeben?
  • Gibt es neue Familienmitglieder (menschlich oder tierisch)?

Schleichen fremde Tiere rund ums Haus, gilt es zu verhindern, dass diese immer wieder ins Revier der eigenen Katzen eindringen und sie so stressen, dass sie sich genötigt fühlen zu markieren. Fühlt sich die Katze im eigenen Revier unsicher, gilt es einerseits zu klären, ob man die Ursache dafür beseitigen/minimieren kann und andererseits das Selbstbewusstsein der Katze zu stärken. Dabei kann z. B. Clickertraining helfen oder der Katze mehr sichere Plätze/Wege (z. B. durch Catwalks) zu bieten.

Wenn es erstmal nach Klo riecht…

Wenn ein Ort erstmal nach Klo riecht, ist er in Katzenaugen auch ein Klo. Darum gehen Katzen auch gerne immer wieder an dieselben Orte um ihr Geschäft zu verrichten. Um den Geruch verlässlich loszuwerden ist Enzymreiniger ideal.

Übrigens: Katzenurin leuchtet unter UV-Licht. Wenn man also ganz sicher gehen will, dass man auch wirklich alle angepinkelten Stellen gefunden und geputzt hat, kann man das auch nochmal mit einer UV-Lichtlampe überprüfen.

No-Go: Bestrafen

Leider wird immer noch gar nicht so selten empfohlen, Katzen für Unsauberkeit zu bestrafen. Weder schimpfen, noch mit Wasser besprühen oder sonst etwas wird allerdings an der Situation etwas ändern. Im Gegenteil, so wird das Ganze höchstens noch verschlimmert, weil die Katze zusätzlich zum eigentlichen Problem noch weiter gestresst wird.

Unter gar keinen Umständen sollte man auf die Idee kommen, die Katze mit dem Schnäuzchen in ihre Hinterlassenschaften zu tunken. Das Einzige, was eine Katze daraus lernen kann, ist, dass ihr Mensch ein *** ist. Sie ist hingegen nicht zu der komplexen Überlegung fähig, dass ihr Mensch ihr Geschäft nicht hier sondern an einem anderen Ort verrichtet sehen möchte.

Im Gegensatz zu Menschen können Katzen eine Bestrafung nicht mit ihrem vorangegangenen „Vergehen“ verknüpfen. Macht eine Katze also aus Menschensicht etwas falsch und wird später (egal ob Minuten oder Stunden) dafür bestraft, hat sie keinerlei Ahnung, dass das eine menschliche Reaktion auf etwas ist, was sie vorher getan hat. Sie lernt nur, dass ihr Mensch zeitweise böse ist. Statt ein Problem zu beseitigen, zerstört man so nur das Vertrauen der Katze in ihren Menschen und schädigt die Mensch-Katzen-Beziehung im schlimmsten Fall für immer.

Protestpinkeln?

Häufig arten Diskussionen über Ursachen von Unsauberkeit online in Diskussionen darüber aus, ob Protestpinkeln bei Katzen möglich sei oder nicht. Dabei geht es aber eigentlich rein um die Frage, wie „Protest“ definiert wird.

Wer darunter versteht, dass der Katze am Kisterl etwas nicht passt und sie es daher „reflexartig“ nicht mehr benutzt, wird von Protestpinkeln sprechen.

Wer unter Protest aber die bewusste Setzung eines Zeichens des Unbehagens mit dem ebenso bewussten Ziel zur Änderung des ungeliebten Zustandes versteht, muss den Begriff des Protestpinkelns jedoch natürlich kategorisch ablehnen. Denn zu so einem „menschlichen“ Denken sind Katzen sicherlich nicht fähig.

Und warum ausgerechnet ins Bett?

Nicht selten nutzen Katzen, die sich auf dem Kisterl unwohl fühlen, dann lieber das Bett, das Sofa oder die Kleidung ihrer Menschen als Klo. Das wird gerne mal als bewusste (bösartige) Aktion fehlinterpretiert (und in diesem Zusammenhang oft als Protest bezeichnet). Stattdessen ist es eigentlich ein Zeichen von Vertrauen und Zuneigung: In einer für sie problematischen/schmerzhaften Situation sucht sich die Katze einen Ort, der besonders stark (und somit beruhigend/tröstlich) nach ihren Menschen riecht…

Fazit

Wird eine Katze plötzlich unsauber, sind zunächst IMMER medizinische Ursachen per umfassender Diagnostik auszuschließen.

Sind keine medizinischen Ursachen vorhanden, gilt es herauszufinden, was für die Katze an der aktuellen Kisterl-Situation nicht passt und sie so umzugestalten, dass sie für die Katze akzeptabel wird.

Auf alle Fälle gilt: Keine Katze wird grundlos unsauber. Sie machen nicht „absichtlich“ neben das Kisterl um uns eine Lektion zu erteilen oder weil sie „böse“ sind. Werden Katzen unsauber, ist das ein Hilfeschrei und als solcher muss dieses Verhalten auch ernst genommen werden.

 

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