Zweitkatze – Ein paar Gedanken zum passenden Katzenkumpel

Zweitkatze

Kennt Ihr auch den geradezu „klassischen“ Tipp, der fast immer sogleich kommt, wenn nach den Kriterien für die richtige Wahl einer Zweitkatze (bzw. einer weiteren Katze) gefragt wird? Nämlich: „Gleiches Geschlecht, gleiches Alter, gleicher Charakter.“ In diesem Beitrag möchte ich mich einmal ausgiebiger damit beschäftigten, was eigentlich wirklich hinter diesem „Dreigestirn“ steckt und warum es zumindest teilweise wörtlich genommen Unsinn ist.

Das „Dreigestirn“ bei der Wahl der idealen Zweitkatze

Gleiches Geschlecht

Hinter der Prämisse „gleiches Geschlecht“ steckt die Vorstellung, dass Katzen und Kater unterschiedlich spielen. Nämlich, dass Kater lieber raufen und Katzen lieber fangen spielen. Dabei werden jedoch generell so viele Ausnahmen benannt, dass ich mich frage, ob diese Ausnahmen überhaupt noch eine Regel bestätigen (können). Vor allem finde ich, dass es völlig unnötig ist, auf (veraltete) Genderstereotype zurückzugreifen, um auszudrücken, dass es wichtig ist, darauf zu achten, dass die Katzen (unabhängig vom Geschlecht) ein ähnliches Spielverhalten zeigen. (Mehr dazu im hier verlinkten Beitrag.)

Gleiches Alter

Auch hinter dem Schlagwort „gleiches Alter“ steckt eigentlich, dass die Katzen ein ähnliches Spiel- bzw. Beschäftigungsbedürfnis haben sollten. Dabei bringt es aber eben herzlich wenig, wenn man zwei, nur beispielsweise, dreijährige Katzen hat, von denen die eine am liebsten den Großteil des Tages spielen und toben und die andere lieber die allermeiste Zeit „chillen“ möchte. Auch ein gleiches Alter sagt also letztlich nicht viel darüber aus, wie gut oder schlecht die beiden Katzen zueinander passen (können).

Allerdings gibt es zumindest einige grobe Richtlinien hinsichtlich des Alters, die es zu bedenken gilt (wobei auch hier die Ausnahmen die Regel bestätigen):

  • Nicht selten können erwachsene Katzen mit Kitten wenig anfangen, weil sie einfach lästig, anstrengend und nervig sind.
  • Gerade schon ältere Katzen (mit auch schon gesundheitlichen Baustellen) haben oftmals einfach nicht mehr die Energie und Nerven dafür, so lange und wild zu spielen wie junge Katzen. Da kann es natürlich eher dazu kommen, dass die ältere Katze schon „durch ist“, während für die jüngere Katze das Spiel eigentlich gerade erst angefangen hat.
  • Auch die Kombination Kitten und Teenie-Katze (bzw. erwachsene Katze) kann durchaus problematisch sein, einfach weil die Kräfteverhältnisse nicht stimmen. Da kann selbst ein „nur“ zu wild geratenes Spiel schnell mal böse für das Kleinteil ausgehen, weil es körperlich noch nichts entgegenzuhalten hat. Und gerade ein tapsiges Kitten und ein Teenie mitten in der rüpeligen Sturm-und Drangzeit, der die eigenen Kräfte noch nicht richtig einschätzen/einteilen kann, kann da die allerblödeste Kombination sein.

Gleicher Charakter

Tatsächlich wörtlich genommen kann dieser Tipp oft Unsinn sein. Gemeint ist in den allermeisten Fällen ja sicher auch eigentlich gar nicht „gleicher“, sondern „passender“ Charakter. Und das ist ein haushoher Unterschied!

Zwei Beispiele zur Verdeutlichung:

Wenn zu einer scheuen, ängstlichen, unsicheren Katze eine zweite scheue, ängstliche, unsichere Katze gesetzt wird, werden sie sich gegenseitig wohl vor allem in ihrer Unsicherheit bestärken. Viel besser wäre es doch, einer solchen Katze eine gut sozialisierte, selbstsichere Katze an die Seite zu geben, an der sie sich orientieren kann, um Ängste und Unsicherheiten abzubauen. Das beste Beispiel, wie gut eine solche Beziehung funktionieren kann, habe ich etwa vor einiger Zeit bei den beiden SOS-Pflegekatzen Emmi und Luise gesehen.

Auch zu einer schlecht sozialisierten Katze, die schnell aggressiv reagiert, eine zweite latent aggressive, schlecht sozialisierte Katze zu setzen, ist sicherlich nicht die ideale Wahl, es sei denn, man ist auf ständige Kämpfe aus. Viel besser wäre es doch, eine gut sozialisierte, ausgeglichene Katze zu wählen, die nicht gleich auf jede Provokation eingeht, sich notfalls aber auch wehren und mal durchsetzen kann. 

Fazit zur „idealen“ Zweitkatze

Statt sich auf gleiches Geschlecht, gleiches Alter und gleichen Charakter zu versteifen, macht es also wesentlich mehr Sinn, eine Katze zu suchen, die von ihren Bedürfnissen und ihrem Spielverhalten zur bereits vorhandenen Katze passt. Charakterlich sollten sie sich vor allem eines: Ergänzen!

 

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