Eigenbluttherapie: Eine Einführung

Eigenblutnosode für Eigenbluttherapie

Wenn Ihr unseren Blog häufiger lest, und/oder uns auf Instagram beziehungsweise Facebook folgt, wisst Ihr ja, dass wir unmittelbar nach der nicht so erfolgreich verlaufenen Spenderkot-Therapie mit einer Eigenbluttherapie begonnen haben. Wie versprochen hier nun (endlich) der Blog-Beitrag mit den wichtigsten Hintergründen, was da eigentlich genau dahintersteckt.

Anwendungsgebiete

Eine Eigenbluttherapie soll sowohl bei akuten, als auch bei chronischen Erkrankungen helfen können, indem (vor allem) das Immunsystem gestärkt wird und die körpereigenen Abwehrkräfte aktiviert werden. Es gibt jedoch keine einheitliche Erklärung, wie genau dies geschehen soll.1 Eine besonders umfassende Darstellung der einzelnen verschiedenen Anwendungsgebiete bietet Harald Krebs.2

Formen der Eigenbluttherapie

Ich beschränke mich hier auf die Beschreibung der beiden Varianten, die bei Slimmy zum Einsatz gekommen sind, nämlich das Spritzen von nativem Eigenblut und die Verabreichung von (homöopathischen) „Eigenbluttropfen“. In der von mir herangezogenen Literatur werden eine Reihe von weiteren Modifikationen aufgeführt, die entweder dort bereits als überholt bezeichnet werden, oder in der Herstellung wohl deutlich aufwändiger sind (z.B. Bestrahlung mit Kurzwellen, Ultraviolettem Licht etc.). Da stellt sich für mich die Frage, ob diese Varianten von Tierärztinnen/Tierärzten bzw. TierheilpraktikerInnen wohl häufig genutzt werden. Diejenigen, die sich dafür näher interessieren, möchte ich auf die entsprechende Literatur verweisen.3

Native Eigenbluttherapie

Das Blut wird aus einer Vene entnommen und ohne weitere Veränderung (also nativ; allenfalls wird es in der Spritze etwas geschüttelt) wieder gespritzt.4 Allerdings weist A. Thaller darauf hin, dass bereits durch die Entnahme per Spritze „eine nicht unerhebliche Verfremdung geschieht“, indem etwa „Erythrozyten […] zertrümmert [werden]“.5 Das Blut kann in einen Muskel (intramuskulär), unter die Haut (subkutan) oder in die Lederhaut (intrakutan) injiziert werden.6

Homöopathische Eigenbluttherapie

Die homöopathische Form der Eigenbluttherapie soll erstmals von dem Tierarzt Wilhelm Lux eingesetzt worden sein und wurde in den 50er Jahren von der Kinderärztin Hewig Imhäuser wieder aufgegriffen.7

Imhäuser entnahm einen Tropfen Blut, der in einem Fläschchen mit 100 Tropfen 30%igen Alkohols verschüttelt wurde. Von dieser Mischung wurde ein Tropfen in ein zweites Fläschchen gegeben und wieder (mit 100 Tropfen Alkohol) verschüttelt. Dies wurde so lange wiederholt, bis die gewünschte Potenz erreicht war.8

Eine ausführliche Beschreibung der heute noch üblichen Herstellung solcher Eigenblutnosoden findet sich in einem Beitrag in der Deutschen Apotheker Zeitung von 2007 (Nr. 19, S. 62).  Wie häufig dabei verschüttelt werden soll/muss scheint unterschiedlich gesehen zu werden.9

In der Autosanguis-Stufentherapie nach Reckeweg wird übrigens anstelle des Alkohols physiologische Kochsalzlösung als Verdünnungsmittel verwendet.10

Dosierung und Häufigkeit

Dosierung und Häufigkeit der Behandlung werden von unterschiedlichen Faktoren abhängig gemacht: Ob es sich um eine akute oder chronische Erkrankung handelt; wie die Reaktion auf die Erstbehandlung ausgefallen ist und wie sich die Reaktionslage während der weiteren Behandlung entwickelt hat.11

Bei der Behandlung von Menschen wird darauf hingewiesen, dass seit den 50er Jahren die Dosierung stark zurückgegangen ist (von 30-40 ml und mehr zu heute zwischen 0,1 und 5 ml).12

Von der Dosierung soll auch die Gefahr der Erstverschlechterung abhängen.13 

Unsere Erfahrungen

Slimmy und ich waren am 6. Juni bei unserer Tierärztin. Da hat sie zunächst eine Spritze mit nativem Eigenblut bekommen und aus dem ersten Tropfen Blut wurde eine Eigenblutnosode (nach Imhäuser) hergestellt. Vier Tage nach der Behandlung mit nativem Eigenblut sollten wir mit der homöopathischen Behandlung beginnen: 1-2 Tropfen täglich einen Monat lang.

Nachdem eine deutliche Erstverschlechterung zu beobachten war, ging es Slimmy nach ein paar Tagen wieder deutlich besser. Allerdings hat sich dann herausgestellt, dass schon ein Tropfen jeden Tag für mein Sensibelchen zu viel war. Also haben wir uns auf einen Tropfen jeden zweiten Tag verlegt. Das hat Slimmy augenscheinlich ganz gut getan.

Jetzt ist der Monat rum und wir warten erstmal eine Woche ab, wie es ihr weiterhin geht. Davon abhängig ist, ob wir noch eine Runde Eigenbluttherapie starten, oder es erstmal gut sein lassen.

Auf alle Fälle hat die Eigenbluttherapie bei Slimmy klar eine Wirkung gezeigt und ich kann hier nur jedem, der auch so verzweifelt ist wie wir raten, diese Behandlungsmöglichkeit in Betracht zu ziehen. Übrigens, Slimmy ist nicht das erste Familienmitglied bei dem eine Eigenblutbehandlung durchgeführt wurde. Wie mir meine Stiefmutter unlängst erzählt hat, hat eine solche Therapie auch meinem jüngsten Bruder gegen seine Allergien gut geholfen.

Anmerkungen

1) Siehe Harald KREBS, Eigenbluttherapie. Methoden, Indikationen, Praxis, 4. Auflage, Müchen 1999, S. 8-12; Wolfgang GEDEON, Native und homöopatische Eigenbluttherapie. Grundlagen, Indikationen, praktische Anwendung, in: Eigenbluttherapie und andere autogene Verfahren. Ein Lehrbuch für die ärztliche Praxis, hg. von Wolfgang GEDEON, Heidelberg 2000, S. 15-99, hier: S. 35-50. Siehe auch die Ausführungen im einschlägigen Wikipedia-Beitrag, wo betont wird, dass es keinen naturwissenschaftlichen Beleg für die Wirkung gebe und von einem Placebo-Effekt auszugehen sein. Vgl. hierzu z. B. R. DEHMLOW, Biophysikalische und biochemische Vorstellungen zur Wirkungsweise verfremdeten Eigenbluts, in: GEDEON, Eigenbluttherapie, S. 141-162.

2) Siehe  KREBS (wie Anmerkung 1), S. 37-308.

3) Siehe zusammenfassend: KREBS (wie Anmerkung 1), S. 24-36; GEDEON (wie Anmerkung 1), S. 17-33; https://de.wikipedia.org/wiki/Eigenbluttherapie. Siehe ausführlich zu einzelnen Verfahren: G.-U. BRILLINGER, Modifikationen der Eigenblutbehandlung nach Theurer, in: GEDEON, Eigenbluttherapie, S. 101-112; H. SAUER, Apparative Eigenblutbehandlung, in: Ebd., S. 113-139;

4) Siehe GEDEON (wie Anmerkung 1), S. 18.

5) A. THALLER, Eigenblut zur Immuntherapie zwischen alter Erfahrung und moderner Laboranalytik, in: GEDEON, Eigenbluttherapie, S. 177-237, hier: S. 182.

6) Siehe KREBS (wie Anmerkung 1), S. 16-20.

7) Siehe KREBS (wie Anmerkung 1), S. 27; GEDEON (wie Anmerkung 1), S. 22.

8) Siehe KREBS (wie Anmerkung 1), S. 28; GEDEON (wie Anmerkung 1), S. 23;  THALLER (wie Anmerkung 5), S. 182-183.

9) Siehe GEDEON (wie Anmerkung 1), S. 27.

10) Siehe THALLER (wie Anmerkung 5), S. 183-184

11) Siehe KREBS (wie Anmerkung 1), S. 20-23, 84. Vgl. auch GEDEON (wie Anmerkung 1), S. 75-83.

12) Siehe GEDEON (wie Anmerkung 1), S. 19.

13) Siehe KREBS (wie Anmerkung 1), S. 14-15.

Literatur

Wolfgang GEDEON (Hg.), Eigenbluttherapie und andere autogene Verfahren. Ein Lehrbuch für die ärztliche Praxis, Heidelberg 2000.

Harald KREBS, Eigenbluttherapie. Methoden, Indikationen, Praxis, 4. Auflage, München 1999.

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2007/daz-19-2007/die-behandlung-mit-eigenblutnosoden

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2007/daz-19-2007/herstellung-von-eigenblutnosoden-in-der-apotheke

https://de.wikipedia.org/wiki/Eigenbluttherapie

 

Teile diesen Beitrag gerne auf/per

5 Antworten auf „Eigenbluttherapie: Eine Einführung“

  1. Also ich bin immer wieder überrascht, was es alles gibt.
    Ich verfolge deinen Blog und erfahre hier von Dingen, die ich vorher noch nicht einmal gehört habe. Ich bin sicher nicht der Einzige, den du mit deinen super Beiträgen informierst. Schade, dass so wenige Kommentare zu deinen Beiträgen schreiben.

    1. Lieber Brummi,
      es freut mich sehr zu hören, dass Du hier von vielen neuen Dingen hörst. Gerade bei diesen alternativen Ansätzen ist es mir sehr wichtig, auch andere auf diese Behandlungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Immer schön zu hören, dass das funktioniert und diese Themen auf Interesse stoßen. (;
      Lieb auch, dass Du dir Gedanken über die spärlichen Reaktionen hier auf dem Blog machst. Zu Deiner Beruhigung: Auf Facebook und Instagram habe ich zu diesem Beitrag auch sehr nette, positive Rückmeldungen bekommen. Sie bleiben also nicht ganz aus, sondern verteilen sich nur auf verschiedene Medien.

  2. Hallo, mich würde mal interessieren wie oft man zum Arzt muss um Blut abnehmen und spritzen zu lassen. Hier klingt das so als hättet ihr das nur einmal beim Arzt machen lassen und danach selbst gemacht?!? Und wie sind die Kosten und wie hat es bis heute geholfen?
    Ich möchte meinem Kater auch so gerne helfen…

    1. Hallo Vera,

      also der Ablauf ist so: Beim Tierarzt wird Blut abgenommen, aus dem ersten Tropfen wird wie oben beschrieben eine Eigenblutnosode hergestellt. Das restliche Blut wird subkutan zurückgespritzt. Die Nosode bekommt man mit nachhause und gibt diese jeden Tag (oder wie bei uns jeden 2. Tag) oral ein. Diese „Tropfen“ halten ca. einen Monat.

      Bei uns hat es nicht schlecht geholfen, allerdings haben wir jetzt schon mehrfach „neue Runden“ gestartet, sprich, die Wirkung hält nicht ewig an.

      Kostentechnisch musst Du mit Folgendem rechnen: Praxisgebühr, Gebühr für die Blutabnahme plus ein paar Euro für die Herstellung der Nosode.

      Allerdings macht das bei Weitem nicht jeder Tierarzt, weil leider viele Eigenbluttherapie für alternativen Schmarrn halten. Erkundige Dich also bitte vorher, ob Dein Tierarzt es macht oder nicht. Falls Du aus Deutschland bist, könntest Du bei einem/einer Tierheilpraktiker/in mehr Glück haben.

      Dir und Deinem Kater alles Gute,
      Liebe Grüße
      Sabine und Slimmy

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.