Fressverhalten von Katzen – Oder: Wie oft sollten Katzen Futter bekommen?

Fressverhalten von KatzenFür mich gehört zur artgerechten Ernährung nicht nur, dass artgerechtes Futter in den Napf kommt, sondern auch, dass die Katze ihrem natürlichen Fressverhalten entsprechend häufig Nahrung zu sich nehmen kann. Das natürliche Fressverhalten von Katzen zu beobachten, sollte dabei eigentlich schon eine klare Antwort auf die Frage bieten, wie oft Katzen Futter bekommen sollten.

Das natürliche Fressverhalten von Katzen

Auf dem natürlichen Speiseplan von Katzen stehen Kleinsäuger (wie Mäuse), Reptilien, Amphibien, Fische, Insekten und Spinnen. Für geschickte Jäger sind auch Fische, Kaninchen etc. durchaus leicht zu erlegen. Die Angaben, wie viele solcher Beutetiere eine ausgewachsene Katze pro Tag benötigt, um satt zu werden, schwanken: Man liest beispielsweise sowohl von „etwa 12 bis 20 Kleintiere[n]“1 als auch von „acht bis zwölf [Mäusen]“2 bzw. „acht bis zehn Mäuse[n]“3.

Dabei kommt es natürlich auf verschiedene Faktoren an: Um welche Beutetiere handelt es sich? Wie ist der individuelle Energiebedarf der Katze (abhängig von der Größe/Rasse, dem Alter etc.)? (Für die Angabe der durchschnittlichen Anzahl von Mäusen wird übrigens auch von einem durchschnittlichen Kaloriengehalt je Maus ausgegangen.)

Die Beutetiere kommen natürlich weder zu einer bestimmten Uhrzeit zur Katze, noch stehen sie Schlange, um gefressen zu werden. Daraus ergibt sich von selbst, dass weder fixe Fütterungszeiten, noch wenige große Portionen dem natürlichen Fressverhalten von Katzen entsprechen. Stattdessen fressen Katzen, die von der Jagd leben, über den ganzen Tag verteilt kleine Portionen. Dabei stehen die Chancen, Erfolg bei der Jagd zu haben, natürlich dann am besten, wenn auch die bevorzugten Beutetiere aktiv sind: also in den Dämmerungszeiten. D. h., es gibt sicherlich gewisse „Stoßzeiten“ zu denen häufiger hintereinander erfolgreich Beute gemacht wird – und entsprechend in kürzeren Abständen auch gefressen wird. Das ändert aber nichts daran, dass es sich jeweils nur um kleine Portionen handelt. Entsprechend werden ja Katzen häufig als „Häppchenfresser“ bezeichnet.

Fixe Fütterungszeiten und wenige große Portionen?

Wie gerade erläutert, entspricht dies nicht dem natürlichen Fressverhalten von Katzen.

Wenige Portionen aus Zeitmangel?

Oftmals wird argumentiert, dass man ja arbeiten müsse und daher den Katzen nur morgens und abends eine Portion hinstellen könne. Das Argument kann ich gar nicht nachvollziehen. Auch wer 8 Stunden täglich arbeitet (und dann wahrscheinlich 9-10 Stunden am Stück nicht zuhause ist), kann den Napf deutlich häufiger füllen. Z. B.: Morgens gleich nach dem Aufstehen, nochmal (ordentlich!) bevor das Haus verlassen wird (gegebenenfalls auch dazwischen noch einmal, je nachdem wie lange man morgens noch zuhause ist), gleich nach dem Heimkommen, mehrfach im Verlauf des Abends und nochmal (ordentlich) vor dem Schlafengehen. Wer sich Sorgen um die Frische macht, kann z. B. einen Futterautomaten verwenden. (Und nein, das „Stehenlassen“ ist auch keine Ausrede für Trockenfutter.)

Fixe Fütterungszeiten (und große Portionen) um Freigänger nach Hause zu locken?

Auch wird oft argumentiert, dass man über fixe Fütterungszeiten sicherstellen könne, dass Freigänger auch zu fixen Zeiten heimkommen.4 Meine Freigänger sind allerdings auch immer zu relativ fixen Zeiten abends nach Hause gekommen um zu fressen…und das, obwohl sie auch tagsüber immer Fressen bekommen haben, wenn sie gekommen sind und hungrig waren. (;

Wer tatsächlich glaubt, Katzen per Hunger „zwingen“ zu können, heimzukommen, hat meiner Meinung nach die Rechnung ohne den „Katzenwirt“ gemacht. Nur weil die Katze tagsüber zuhause nichts zu fressen bekommt, heißt das doch noch lange nicht, dass sie in der Zeit nichts in den Magen bekommt. Freigänger haben eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich einen Snack zwischendurch zu organisieren: selbst Beute zu machen, anderswo den für andere Katzen draußen stehenden Napf zu leeren, oder sich gleich eine (oder mehrere) Fütterungsstellen für tagsüber zu organisieren. Leider gibt es ja sehr viele Menschen, die fremde Katzen anfüttern. Diesen Leuten spielt man also noch zusätzlich in die Hände, wenn die Katze zuhause tagsüber nichts bekommt. Denn wenn Katze sicher sein kann, dass es jetzt daheim nichts gibt, anderswo aber schon ein gefüllter Napf wartet, wird es eben bald zu ihrer Routine gehören, täglich im „Zweitzuhause“ vorbeizuschauen. Das hat nicht nur den Nachteil, dass die Katze „abspenstig“ gemacht wird. Gerade wer sich um artgerechte Ernährung bemüht, kann auch kein Interesse daran haben, dass die Katze täglich anderswo möglicherweise Schrottfutter serviert bekommt.

Fressverhalten von Katzen und gesundheitliche Aspekte

Gegen wenige große Mahlzeiten am Tag sprechen für mich auch gesundheitliche Aspekte. Die Verdauung von Katzen ist eben darauf ausgelegt, viele kleine Portionen über den ganzen Tag verteilt zu fressen. Während des Verdauungsprozesses werden außerdem nicht nur „Verdauungssäfte“ ausgeschüttet. Z. B. steigt auch der pH-Wert des Urins nach dem Fressen an! Wie hoch er steigt, ist u. a. von der Art und der Menge des Futters abhängig. Frisst eine Katze tatsächlich nur zweimal täglich große Portionen, sorgt man also für massive, so von der Natur nicht vorgesehene, Schwankungen beim pH-Wert des Urins – und dieser ist ein ganz zentraler Faktor bei der Bildung von Harnkristallen! (Bei der akuten Behandlung von Harnkristallen kann eine solche Fütterung unter bestimmten Voraussetzungen von Vorteil ein, hier geht es allerdings um gesunde Katzen.)

Nicht umsonst wird ja auch gerade bei Erkrankungen etwa von Magen, Pankreas und Herz empfohlen, viele kleine Portionen zu verfüttern5 – sondern eben gerade, weil es den Organismus am wenigsten belastet, weil es der natürlichen Ernährungsweise entspricht. Warum sollten wir aber erst bei kranken Katzen darauf achten und nicht schon dafür sorgen, dass gesunde Katzen möglichst nicht unnötig belastet werden?

24/7 Fütterung: Die Möglichkeit zur Annäherung an das natürliche Fressverhalten von Katzen

Wenn von 24/7 Fütterung gesprochen wird, habe ich oft das Gefühl, dass aufgrund von unterschiedlichen Definitionen aneinander vorbeigesprochen wird.

Definition

Meiner Meinung nach bedeutet 24/7, dass die Katze jederzeit, wenn sie hungrig ist, auch Futter haben kann. Das heißt für mich aber nicht automatisch, dass ständig Futter „herumstehen“ muss. Zwei Beispiele:

Häufig wird zur 24/7 Methode empfohlen, den Napf immer dann gleich wieder aufzufüllen, wenn er fast leer ist. Dann kommt eigentlich immer sofort die Antwort, dass das ja ecklig sei, wenn da immer „vergammeltes“ Futter mit im Napf sei und die Katze das dann gar nicht fressen würde. – Macht Slimmy übrigens auch nicht. (;

Kürzlich war ich auch in eine Diskussion mit einer Frau verknüpft, die meinte, ständig Futter offen stehen zu haben, sei ekelhaft. Daher sei sie gegen 24/7 Fütterung und würde ihren Katzen eben immer etwas hinstellen, wenn sie hungrig wären. Ich habe dann versucht, ihr zu erklären, dass das ja auch 24/7 Fütterung ist. Denn es geht ja lediglich darum, dass die Katze jederzeit etwas zu fressen haben kann wenn sie hungrig ist – egal ob es bereits im Napf ist, oder frisch hineingetan wird. Allerdings werden die wenigsten von uns tatsächlich 24 Stunden täglich zuhause sein, um bei Bedarf sofort den Napf zu füllen.

24/7 Fütterung bei uns zuhause

Bei uns sieht 24/7 Fütterung daher so aus: Wenn ich zuhause bin, wird das Tellerchen (Slimmy mag keine Näpfe) gefüllt, wenn Slimmy hungrig ist. Frisst sie nicht ganz auf, lasse ich es erstmal stehen, damit sie später noch weiterfressen kann. Ist es dann, wenn sie wieder Hunger hat, schon zu alt und sie mag es nicht mehr, mache ich den Teller sauber und gebe ihr eine frische Portion. Frisst sie jedoch gleich auf und ist sichtlich satt, mache ich den Teller sauber und warte erstmal ab, bis sie wieder Hunger anmeldet und gebe ihr dann eine frische Portion. Wozu sollte das Futter auch ein paar Stunden herumstehen, wenn sie jetzt ohnehin nicht gleich wieder fressen will? Und wenn ich außer Haus muss, stelle ich eben einen ordentlich gefüllten Teller für sie bereit.

Macht 24/7 Fütterung dick?

Wie bei uns Menschen kommt es zunächst vor allem darauf an, WAS auf dem Speiseplan steht. Wenn wir alle paar Stunden Fast Food und Süßigkeiten essen, werden wir sicherlich dick. Wer jedoch alle paar Stunden Obst oder Gemüse isst, wohl eher nicht. Dazu kommt bei Katzen, wie bei uns auch, dass regelmäßige Bewegung eine wichtige Rolle spielt.

Oft wird auch argumentiert, dass Katzen aus Langeweile fressen würden, wenn sie ständig Zugang zu Futter hätten.6 Dagegen hilft meiner Meinung nach aber nicht, den Zugang zum Futter zu reglementieren, sondern etwas gegen die Langeweile zu tun! Sonst hat man doch nur eine Katze, die gelangweilt ist UND jammert, weil sie kein Fressen bekommt.

Außerdem können Katzen, die wissen, dass sie jederzeit fressen könnten wenn sie möchten, ein natürliches Sättigungsgefühl entwickeln. Sie glauben nicht soviel wie irgend möglich in sich hineinstopfen zu müssen und schlingen auch nicht wie wahnsinnig, wenn endlich wieder etwas im Napf ist. (Manche Katzen, die etwa jahrelang auf der Straße ums Überleben kämpfen und hungern mussten, können hier natürlich schon auch die Ausnahme bilden, die die Regel bestätigt.)

Gibt es bei 24/7 Fütterung keine fixen Rituale mehr?

Wie schon anfangs beschrieben, sind meine Freigängerkatzen immer regelmäßig zu fixen Zeiten (auch abends) heimgekommen, um zu fressen. Auch jetzt sehe ich bei Slimmy deutlich, dass sie ziemlich fixe Zeiten hat, zu denen sie hungrig wird. Tagsüber frisst sie eher wenig, dafür gegen Abend (ab ca. 17.00 bis zum Schlafengehen) und in der Früh (ab ca. 4.00 bis zum Weggehen/Arbeitsanfang im Homeoffice) diverse kleinere Portionen in kürzeren Abständen und dazwischen wird während der Nacht meist noch ein Tellerchen geleert. Nach meiner Erfahrung können Katzen also durchaus einen relativ fixen Fressrhythmus entwickeln, wenn sie selbst entscheiden können, wann sie fressen möchten.

Der „Katzenflüsterer“ Jackson Galaxy empfiehlt übrigens auch fixe Fütterungszeiten und wenige große Portionen (2 bis max. 4 mal Futter täglich), damit man vor dem Fressen noch mit der Katze spielen kann, sodass das Futter quasi der krönende Abschluss der „Jagd“ ist.7 Das mache ich mit Slimmy auch mindestens 2x täglich (morgens und abends) und es funktioniert einwandfrei, obwohl sie fressen darf, wann immer sie mag. (; Ich weiß ja, wann sie ungefähr wieder fressen wird, und dementsprechend sind unsere Spielzeiten eingeteilt. Also so, dass wir spielen, kurz bevor sie aller Voraussicht nach wieder fressen möchte.

Fazit

Gesunde, artgerechte Ernährung von Katzen endet nicht damit, hochwertiges Futter in den Napf zu geben, sondern umfasst auch die Beachtung des natürlichen Fressverhaltens von Katzen. Der Katze zu ermöglichen zu fressen, wann sie Hunger hat, muss dabei weder an Zeitmangel scheitern, noch das Ende von Ritualen bedeuten.

Anmerkungen

1) Lena LANDWERTH, Wegweiser Katzenfutter. Artgerechte Ernährung für Stubentiger, Schwarzenbek 2012, S. 20.

2) Nadine LEIDENDECKER, B.A.R.F. für Katzen. Die Alternative zur Maus, Schwarzenbek 2010, S. 33. Vgl. auch Michael STREICHER, Katzen gesund ernähren. Rundum gut versorgt, München 2016, S. 9.

3) Jackson GALAXY, Der Katzenflüsterer. Für ein glückliches Katzenleben, Königswinter 2019, S. 113.

4) Siehe z. B. Jackson GALAXY, Der Katzenflüsterer. Für ein glückliches Katzenleben, Königswinter 2019, S. 227.

4) Siehe Natalie DILLITZER, Barf für Katzen. Kleine Tiger gesund ernähren, München 2014, S. 32.

5) Siehe z. B. Michael STREICHER, Katzen gesund ernähren. Rundum gut versorgt, München 2016, S. 20.

6) Siehe Jackson GALAXY, Der Katzenflüsterer. Für ein glückliches Katzenleben, Königswinter 2019, S. 112.

 

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