Wenn das Katzenauge tränt…

Wenn das Katzenauge tränt

Wenn das Katzenauge tränt, wird leider oftmals gerne mal ein Foto gemacht, in den sozialen Medien eingestellt und nach „Hausmittelchen“ gefragt, statt direkt zum Tierarzt/zur Tierärztin zu gehen. Und so sicher wie das Amen im Gebet kommen dann als „tolle Tipps“ die üblichen Verdächtigen, die man NICHT anwenden sollte. Warum man von so manchen vermeintlich tollen Hausmitteln tunlichst die Finger lassen sollte, möchte ich Euch in diesem Beitrag näher bringen.

Mögliche Ursachen, warum das Katzenauge tränt

Wenn die Augen der Katze tränen, gerötet, geschwollen sind und (mehr oder weniger leicht) zugekniffen werden, kann das viele verschiedene Ursachen haben.

  • Wie wir Menschen auch, können Katzen Staub, Dreck etc. oder auch mal eine Wimper (oder ähnliche Fremdkörper) im Auge haben, die kurze Zeit nerven, aber ohne weitere Komplikationen mit entsprechender Tränenflüssigkeit auch wieder rausgehen.
  • Es gibt aber auch diverse Erkrankungen der Augenlider, die durchaus schmerzhaft sein und unbehandelt bis zur Erblindung oder zum Verlust des Auges führen können. Z. B.: Entropium (=  ein nach innen gedrehtes Lid), Ektropium (= ein nach außen gedrehtes Lid), Distichiasis (= Doppelbewimperung)….
  • Auch Zugluft, Kälte oder Hitze und (sehr) trockene Luft können Katzenaugen mal (kurzfristig) tränen lassen.
  • Ebenso möglich sind tränende Augen aber auch als „Begleiterscheinung“ bei einer Verstopfung des Tränen-Nasenkanals, etwa im Zuge einer Verkühlung oder gar bei „richtigem“ Katzenschnupfen. Eine solche Verstopfung/Verengung kann aber auch rassebedingt sein („Kurznasenkatzen“).
  • Des Weiteren können, wie auch bei uns Menschen, Allergien Auslöser für tränende Katzenaugen sein.
  • Auch können sich Katzen beim Spielen, Raufen/Kämpfen mit Artgenossen oder wenn sie draußen herumstreifen das Auge  verletzen. (Hier ist vor allem an die Hornhaut zu denken.)
  • Ebenso können Infektionen durch Viren, Bakterien oder Pilze vorliegen, oder Parasiten für tränende Katzenaugen sorgen.
  • Eine weitere mögliche Ursache ist grüner Star.
  • Auch ein Tumor (im Augenbereich) kann für tränende Augen sorgen.

Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, warum ein Katzenauge tränen kann – und viele davon sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen!

Was man NICHT tun sollte, wenn das Katzenauge tränt

Grundsätzlich sollte man auf keinen Fall anfangen, selbst am tränenden Auge „herumzudoktern“, ohne zu wissen, was eigentlich das Problem ist. Selbst vermeintlich harmlose Hausmittelchen, die gerne online weiterempfohlen werden, können zum Problem werden.

Wattebäusche und Co.

Oft fängt das Problem nicht erst damit an, was in das Auge gegeben wird, sondern wie. Wird z. B. mit „fusseligen“ Wattepads und Co. hantiert, können sehr leicht noch zusätzliche Fremdkörper in das Auge „hineingerieben“ werden, die nur für zusätzliche Probleme sorgen. Auch mit nicht sterilen Lappen und Co. sollte man nie am empfindlichen Auge „herumrubbeln“ und so möglicherweise noch neue Keime ins Auge bringen. (Es reicht übrigens schon, wenn durch „herumrubbeln“ bereits vorhandene Keime noch weiter verteilt werden.)

Kamillentee

Kamillentee wird leider so gut wie immer als „super Hausmittel“ empfohlen. So gut Kamillentee für viele andere Beschwerden auch ist, für die Augen ist er nichts! Sowohl Kamillen-Pollen als auch das Kontaktallergen Anthecotulid können zu weiteren Reizungen und Entzündungen führen! Zwar ist dieser Allergieauslöser normalerweise in der Echten Kamille nicht oder nur in Spuren nachweisbar, häufig kommt es jedoch zu Verunreinigungen mit Verfälschungen wie der Stinkenden Hundskamille. Diese enthält Anthecotulid in deutlich höheren Konzentrationen. Da sollte man lieber kein Risiko – gerade am empfindlichen Auge – eingehen.

Bepanthen-Augentropfen

Auch Bepanthen-Augentropfen erfreuen sich hoher Beliebtheit unter den „Hausmittelchen-Tipps“. Leider haben aber offenbar die meisten, die uneingeschränkt darauf schwören, den Beipackzettel nicht gelesen. Denn laut Beipackzettel dürfen die Bepanthen-Augentropfen NICHT bei infizierten oder verletzten Augen angewendet werden (siehe S. 9 im verlinkten Beipackzettel). Das heißt, so lange nicht ärztlich ausgeschlossen ist, dass das Auge verletzt oder infiziert ist, haben diese Tropfen in tränenden Katzenaugen nichts verloren.

Topfen (Quark)

Topfen mag aufgrund seiner kühlenden, abschwellenden Wirkung beim Menschen durchaus mal Sinn machen, um sich bei einer Augenentzündung Linderung zu verschaffen. Für die Katze Topfen zu empfehlen ist jedoch schlichtweg Schmarrn. Für die Anwendung am menschlichen Auge muss man den Topfen in ein Tuch wickeln und daraus einen Umschlag machen, den man sich für ca. 30 Minuten auf das geschlossene Auge legt. Kommt Topfen hingegen direkt ins Auge, kann das eine Entzündung erst recht verschlimmern. Kommt der Topfen an Haare (bei uns Menschen Wimpern oder Augenbrauen) und trocknet dort ein, wird es schon bei uns sehr unangenehm, das Zeug wieder rauszubekommen. Und jetzt stelle man sich das mal im Katzenfell direkt an den empfindlichen Augen, die ohnehin schon akut schmerzen, vor…

Wer also allen Ernstes empfiehlt, bei einem tränenden Katzenauge Topfen zu benutzen, soll mir bitte einmal erklären, wie man eine Katze dazu bringt, bis zu einer halben Stunde lang mit einer Kompresse über den Augen liegen zu bleiben, ohne dass dabei Topfen ins Katzenauge kommt….

Die Augentropfen vom letzten Mal…

Ja, es gibt tatsächlich auch Menschen, die es für eine gute Idee halten, bereits angebrochene Augentropfen, die entweder sie selbst oder eines ihrer Tiere irgendwann einmal verschrieben bekommen haben, „bei Bedarf“ einfach weiter/wieder zu benutzen. So nach dem Motto, was einmal geholfen hat, wird auch wieder helfen.

Fehler Nummer eins hinter dieser „Überlegung“: Kein Mensch kann ohne entsprechende Untersuchung sagen, ob überhaupt wieder dasselbe Problem vorliegt. Was „damals“ geholfen hat, kann dieses Mal auch nicht helfen – oder im schlimmsten Fall sogar schaden! Darüber hinaus ist nicht jedes Medikament, das Mensch (oder z. B. Hund) geholfen hat, prinzipiell auch für die Katze geeignet.

Fehler Nummer zwei: Einmal angebrochene Augentropfen haben meist nur noch (sehr) beschränkte Haltbarkeit. Hier ist ganz klar zwischen dem aufgedruckten Haltbarkeitsdatum und der Zeitspanne der Haltbarkeit nach erstmaliger Benutzung zu unterscheiden. Nicht zu vergessen ist auch eines: So vorsichtig man auch in der Anwendung ist, ab dem Zeitpunkt der ersten Öffnung kommen die Augentropfen fast unweigerlich mit Bakterien in Kontakt. Denn: Man kommt so gut wie immer (auch ohne es zu bemerken) mal an Lid, Wimpern oder Haut an, wenn man sich – oder einem Tier – die Augen eintropft. Da stehen die Chancen also gut, dass man auch noch die „alten“ Bakterien ins ohnehin schon tränende Katzenauge bringt.

Was man tun sollte, wenn das Katzenauge tränt

Wenn das Auge nur leicht tränt und nicht offensichtlich verletzt oder (stark) entzündet ist, kann man versuchen, es mit warmen Wasser und einem sterilen, fuselfreien Tuch vorsichtig (!) und sanft (!) zu reinigen. Im Gegensatz zu Kamillentee ist Augentrost oder Euphrasia (wie der Name schon sagt), tatsächlich ein bewährtes Hausmittel für die Behandlung von gereizten oder entzündeten Augen. Ich persönlich würde jedoch davon absehen, einen Tee zu kochen und diesen statt warmem Wasser zu verwenden. Ich koche ja mehrfach die Woche Tee für Slimmy (wer sich dafür interessiert, welchen und warum, kann im Beitrag Papayablatttee weiterlesen (;). Dabei entstehen immer auch kleine „Flankerl“, die man lieber nicht ins Auge bekommen möchte. Wenn also Augentrost, dann lieber als Tropfen aus der Apotheke.

Wenn die Symptome nicht innerhalb von ein bis max. zwei Tagen besser – oder gar schlechter – werden, bleibt bei tränenden Katzenaugen nur eine verantwortungsvolle Lösung: Ab in die Tierarztpraxis!

Nur TierärztInnen mit dem entsprechenden Equipment können die tatsächliche Ursache der Symptome feststellen. Dazu wird das Auge mit einer speziellen Augenlampe, dem Ophthalmoskop, untersucht. Um Verletzungen der Hornhaut festzustellen bzw. auszuschließen, wird ein Fluorescein-Test gemacht. Um die Ursache für eine Bindehautentzündung festzustellen, braucht es einen Abstrich. Dieser wird auf Bakterien und andere Erreger untersucht, damit das richtige Medikament ausgewählt werden kann.

Fazit

Hinter tränenden Augen bei Katzen kann von ein bisschen Staub bis zu gefährlichen Erkrankungen alles stecken. Anhand eines Fotos oder einer Beschreibung kann niemand sagen, was tatsächlich das Problem ist. Anstatt also mit vermeintlich „tollen Hausmitteln“ alles nur noch schlimmer zu machen, sollte man im Zweifelsfall immer lieber früher als später zum Tierarzt/zur Tierärztin gehen. Und im Zweifelsfall lieber auch einmal zu oft als einmal zu wenig.

 

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