Kottransplantation – Eine echte Alternative?

Kottransplantation – das klingt vermutlich für die meisten Menschen einfach nur richtig eklig. Als mich unsere Tierärztin vor kurzem fragte, ob wir diesen Therapieansatz nicht bei Slimmy versuchen wollen, habe ich aber gleich ja gesagt. Um ganz ehrlich zu sein, nicht weil ich genaue Studien dazu kannte…. Ich wusste ganz offen gesagt nicht einmal ganz genau, wie das funktioniert. Aber zumindest gehört hatte ich schon einmal von dieser Methode. Ok, um nochmal ehrlich zu sein, ich glaube es kam einmal in einer Folge von „Dr. House“ vor….

Naja, wie dem auch sei, inzwischen ist Slimmys Darm durch IBD, chronische Pankreatitis und Gallensäureverlust-Syndrom so stark geschädigt, dass wir nach jedem Strohhalm greifen müssen. (Warum wir inzwischen so verzweifelt sind, könnt Ihr auch in Slimmys Krankenakte nachlesen.)

Eigentlich sollte der Spenderkot schon am Dienstag kommen, doch die Osterfeiertage kamen uns dazwischen. Also müssen wir noch (mindestens) bis Freitag warten. Die Zwischenzeit habe ich jetzt genutzt, um mich detaillierter schlau zu machen. Und was ich so alles an interessanten Informationen zusammengetragen habe, möchte ich Euch hier nun berichten.

Wann ist eine Kottransplantation sinnvoll?

Ist die Darmflora durch Krankheit, Antibiotikagabe u. ä. gestört, spricht man von einer Dysbiose. Das heißt, die Darmflora ist im Ungleichgewicht. Der gängigste Weg um diese wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ist Darmbakterien zuzuführen. Oft wird z. B. in einschlägigen Foren routinemäßig ein besonders „beliebtes“ (bekanntes) Darmaufbaumittel empfohlen. Es bringt aber nichts, wenn man einfach ins Blaue hinein Darmbakterien gibt. Egal wie viele Leute mit einem bestimmten Mittel schon gute Erfahrungen gemacht haben! Zunächst ist es wichtig herauszufinden, wie genau es um die Darmflora bestellt ist. Dazu ist eine Kotuntersuchung nötig. Denn zuerst muss man herausfinden, welche Darmbakterien sich überproportional ausgeweitet haben und welche anderen dadurch verdrängt wurden. Erst dann macht es Sinn nach einem geeigneten Mittel zu suchen. Schließlich nützt es nichts, wenn man die falschen Darmbakterien zuführt. Dadurch wird das Gleichgewicht ja nicht wieder hergestellt!

Übrigens: Bevor man überhaupt über den Einsatz eines Antibiotikums nachdenkt, sollte unbedingt abgeklärt werden, ob überhaupt toxinbildende Bakterienstämme im Spiel sind. Gerade wenn der Darm schon durcheinander geraten ist, sollte man den Einfluss von Antibiotika auf die Darmflora bedenken.

Eine Alternative zu Darmbakterien oder Antibiotika ist eine Kottransplantation. Dabei wird der aufbereitete, gesunde Kot eines Spenders in den kranken Darm „verpflanzt“.

Was kommt bei einer Kottransplantation genau in die Katze?

Was genau bedeutet „aufbereiteter Kot“? Die Antwort auf diese Frage macht die ganze Sache gleich deutlich weniger unappetitlich. Denn es wird nicht etwa der gesamte Mageninhalt eines gesunden Spenders „rüber verpflanzt“.

Nein, zuerst wird ein geeigneter Spender gesucht. Leider ist umstritten, was genau den perfekten Spender ausmacht. Unterm Strich besteht nur Einigkeit in einem Punkt: Gesund muss er sein! Auch wie alt der Kot sein darf und ob man ihn tiefkühlen darf, ist noch nicht definitiv geklärt.

Auf alle Fälle wird der Kot des Spenders dann mit physiologischer Kochsalzlösung vermischt und grob gefiltert. Das heißt, nur die so aufbereitete gesunde Darmflora wird auf den Patienten übertragen.

Wenn Du noch näheres über diese Aspekte wissen willst, kann ich Dir nur die entsprechenden Informationen auf Wikipedia oder im entsprechenden Mitteilungsblatt der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie empfehlen. Dort findest Du auch umfassende weitere Literaturangaben.

Wie kommt der Spenderkot in die Katze?

Die Frage, wie dieser aufbereitete Kot in die Katze kommt, verursacht uns „PatientenbesitzerInnen“ vermutlich zunächst nicht nur Kopfzerbrechen, sondern auch etwas Bauchweh. Da hat man ja gleich Bilder im Kopf… Aber so schlimm ist es (meist) nicht, zum Glück.

In der Humanmedizin werden drei Varianten genutzt: per Nasensonde (in den Dünndarm), per Einlauf (in den Dickdarm) oder per Kapseln (die natürlich auch zuerst im Dünndarm landen).

Bei Hunden und Katzen wird meist entweder ein Einlauf gemacht oder die Kapsel-Variante genutzt. Ob ein Einlauf sinnvoll ist, hängt nicht zuletzt davon ab, wo das Problem vor allem beheimatet ist.

Bei Slimmy zum Beispiel liegt das Hauptproblem am Ende des Dünndarms. Dort liegen sich Gallenblase und Pankreas praktisch gegenüber. Da Slimmy Gallensäure über den Kot verliert, wird nicht nur das Pankreas gereizt. Nein, auch diejenigen Darmbakterien, die eigentlich vor allem hier angesiedelt sein sollten, haben keine Chance zu überleben. Daher wäre bei ihr ein Einlauf wohl wenig hilfreich, denn die guten Darmbakterien sollen „weiter hinauf“. Also dürfen wir mit der Kapsel-Variante starten! Juhu, da freut sich nicht nur Slimmy, dass ihr ein Einlauf erspart bleibt!

Zur Forschungslage

Als Grazerin freut es mich besonders, dass die MedUni Graz eine nicht unwesentliche Rolle in der Forschung zum Thema in der Humanmedizin spielt. Für die Veterinärmedizin konnte ich zur Zeit der Abfassung dieses Beitrages noch einen Aufruf der Ludwig Wilhelms Universität München finden, wo nach hündischen Propanden gesucht wurde. (Inzwischen ist dieser Link jedoch nicht mehr aktuell und wurde daher aus dem vorliegenden Beitrag entfernt.) Auch wenn dieser Therapieansatz immer noch experimentell ist, scheint er doch Hoffnung zu versprechen.

Und was versprechen wir uns von der Kottransplantation?

Nun ja, Slimmy wird dadurch sicher nicht geheilt werden. Soviel ist mir schon klar. Denn leider war und ist bei ihr das Ungleichgewicht der Darmflora ein Symptom, nicht die Ursache aller Probleme. Was genau ihre IBD ausgelöst hat, wissen wir nicht. Es wurden z. B. noch nie toxinbildende Bakterienstämme bei ihr festgestellt. Zunächst hatten wir zu viele Clostridien, dann erhöhte E-Colis… Aber wie gesagt, immer nur die „normalen“ Varianten, die zur Darmflora eben dazu gehören. Wenn auch nicht in dem Ausmaß. Durch deren Erhöhung wurden dann andere Darmbakterien zurückgedrängt. Allerdings war Slimmys Darmflora durch gezielten Aufbau zwischendurch auch schon wieder im Gleichgewicht. Nur leider bleibt es bei ihr nicht dabei…

Dennoch erhoffe ich mir, dass durch diesen Therapieansatz ihre aktuellen Symptome gemildert werden und der Darm eine Chance erhält, sich etwas zu erholen. Durch andere Mittel, die wir zurzeit ausprobieren wird hoffentlich auch die Entzündung dann endlich auf ein „erträgliches Maß“ zurückgehen… Mehr erwarten wir ja gar nicht mehr. Auch unsere Tierärztin hat mir beim letzten Besuch bestätigt, dass bei einer derartigen Schädigung wie bei Slimmy eine vollständige Heilung ausgeschlossen ist. Aber zumindest eine Verbesserung müssen wir erreichen! Wie auch immer! Und wenn es mit fremdem Kot ist.

Also bitte, drückt uns ganz fest die Daumen!

Darüber, wie dieser Therapieansatz bei Slimmy gewirkt hat, werde ich natürlich zu gegebener Zeit berichten. Also dranbleiben… (;

 

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